Kunst & Wissenschaft

Cornelia Caufmann – Living Structure

Ich denke, dass die Idee eines fertigen Bildes eine Fiktion ist. Ich glaube vielmehr, dass ein Mensch ein ganzes Leben damit verbringt, an einem einzigen Bild oder einer einzigen Skulptur zu arbeiten.
– Barnett Newman (1905 – 1970)

Mir scheint, dass dieses Statement von Barnett Newman als eine sehr korrekte Beschreibung des künstlerischen Prozesses von Cornelia Caufmann anzusehen ist. Verbringt man ein ganzes Leben, um an einem einzigen Werk zu arbeiten . . .? – Tatsächlich, mit etwas Abstand betrachtet, klingt damit auch eine Überhöhung an, die das künstlerische Schaffen heraushebt, wenn man das eine Werk dem großen Ganzen, das ein Leben ausmacht, gegenüberstellt; wenn man das große Ganze reduziert oder es in das eine Werk verpackt. Peter Weibel hat in diesem Zusammenhang gesagt, dass die Geschichte der Malerei auch immer eine Geschichte ihres Endes – also ihrer Auflösung – ist. U.a. deshalb, weil sie ein Ziel erreicht oder sich erschöpft hat.

„Onement“ ist der Name einer Serie von monochromen Bildern von Barnett Newman, die 1948 – 1953 entstand. Mit diesem erfundenen Begriff sind auch Bedeutungen verbunden bzw. assoziiert wie movement / Bewegung, wie moment / Augenblick, wie monument / Denkmal, wie ornament / Verzierung, aber etwa auch atonement / so etwas wie Buße, tätige Reue, die in diesem Fall von Künstler und Künstlerin geleistet wird.
Zu allererst verweist diese Worterfindung aber auf eben diese Singularität, diese Einzigkeit, die sich weniger aus einem Prozess ergibt, sondern sich genuin als Prozess entwickelt. Ein Prozess mit offenem Ende, wie Peter Weibel anmerkt.

Es erscheint mir ganz natürlich, wenn ich diese Überlegungen als Gedanke auch auf die seriellen, iterativen Arbeiten von Cornelia Caufmann anwende. Der Prozess ist ein ganz wesentliches Element, ein Agens, ein Antrieb, aus dem heraus sie mit Tusche, Pinsel, Feder auf verschiedenen, sehr ausgewählten Papieren, einzelnen Blättern und in gebundenen Büchern arbeitet.
Ein meditativer Vorgang auch und daher auch ein erkenntnisgewinnender Prozess, der in Gang gesetzt wird, der Rückkoppelungen mit den künstlerischen Ergebnissen und der Künstlerin als Person zeigt und erlaubt.